Schritt für Schritt ins Leben

August 24, 2018

Wie Reittherapie und der Umgang mit Pferden uns helfen können. Ein Gastbeitrag von Inga Bleumer (Instagram @Horsewhisperib)

 

Pferde - Lebewesen,  die viele Menschen faszinieren. Sei es wegen ihrer Schnellig-keit, ihrer Anmut, dem Freiheitsgefühl, das sie uns vermitteln können oder ihrer Stärke. Doch Pferde können uns auf vielen Wegen positiv begleiten und unterstützen. Einer dieser Wege ist die Reittherapie.

 

Wer das Wort “Reittherapie” hört, denkt oft, dass es da nur ums Reiten geht oder man reiten können muss. Bei einigen ist auch die Angst da, sich aufs Pferd setzen zu müssen. Doch Reittherapie beinhaltet so viel mehr.

 

Grundlagen der Reittherapie

 

Schauen wir uns zuerst die Basis an. Therapeutisches Reiten umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Förderung mit dem Pferd. Unterstützt werden diese Bereiche von einer/einem ausgebildeten Reittherapeutin/Reittherapeuten. Dabei wird die Förderung immer speziell an Entwicklungsstand, Alter und Situation/ Befinden des Einzelnen angepasst und individuell gestaltet. Es wird auf allen Ebenen (körperlich, geistig/mental/psychisch) ganzheitlich hingeschaut.

 

Umgesetzt wird das Ganze in einem harmonischen, verständnisvollen und wert-schätzenden Umfeld, so dass man Abstand aus dem Alltag gewinnen kann und sich wohl fühlt.

 

Was macht das Pferd nun zu so einem guten Therapiepartner?

 

Pferde spiegeln uns und unser Verhalten auf vielfältige Weise. Ich stelle mir das bildlich gerne vor, als könnten sie in uns lesen wie in einem Buch. Wer einem Pferd tief in die Augen blickt, kann schnell das Gefühl bekommen, das Pferd blicke einem in seine Seele - und umgekehrt vielleicht auch.

 

Sie sind in ihrer Wahrnehmung so fein, dass sie minimalste Zuckungen unserer Muskulatur spüren können, die wir selbst nicht wahrnehmen.

 

Vor allem leben sie im Hier und Jetzt.

 

Negative Glaubensmuster, wie wir sie gerne haben, kennen sie nicht. Pferde verzeihen und geben uns Menschen immer wieder neue Chancen. So können uns die Pferde wahre Lehrmeister in der eigenen Körpersprache, Wahrnehmung und im Emotionen zeigen und annehmen sein.

 

Beim therapeutischen Reiten sitzt man in der Regel  auf speziellem Therapie-equipement. Das kann tatsächlich auch mal der Sattel sein, aber meist sind es speziell gepolsterte Pads mit einem Longiergurt, der Haltegriffe hat. Das Pferd wird von der Reittherapeutin geführt. Je nachdem, was gemacht wird, geschieht dies an einem Führstrick, an der Longe oder einem langen Bodenarbeitsseil.

 

Bei der Bewegung auf dem Pferd wird die Bewegung des Pferdes durch das Becken auf den Menschen übertragen. Wer schon in den Genuss kommen durfte, der weiß, wie entspannend diese Bewegung sein kann. Bestimmte Übungen zum Muskeln auflockern, Konzentration und Gleichgewichtssinn stärken sowie Koordination und Rhythmus aufbauen können das Ganze abrunden.

 

Das Pferd überträgt über 100 Schwingungsimpulse pro Minute, die direkt auf unsere Wirbelsäule übergehen

 

Wer sich auf seinem Pferd einmal von einer vertrauten Person auf dem Pferd führen lässt (bitte nicht allein und nur auf eingezäuntem Platz ausprobieren, da sich das Pferd als Fluchttier so erschrecken kann, dass man nicht mehr so schnell einwirken kann), dabei die Augen schließt und sich nur auf die Bewegung des Pferdes und die Auswirkungen auf den eigenen Körper konzentriert, kann dies bis zu einem gewissen Wahrnehmungsfeld  erspüren. Aber auch beim Laufen neben dem Pferd können wir mit der Zeit einen bestimmten gemeinsamen Rhythmus spüren, der uns eins werden lässt und sich positiv auf unsere Muskulatur auswirkt.

 

Ein weiterer Bereich ist die Bodenarbeit mit Pferd. Das kann auf dem Reitplatz das gemeinsame Erkunden eines Parcours sein oder auch ein Spaziergang. Wer Angst hat aufzusteigen, muss das also nicht zwingend. Es gibt aber die Chance im geschützten Rahmen sich dieser Angst zu stellen. Das Gefühl diese Angst zu überwinden, ist unglaublich. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

 

In der Reittherapie gibt es stets einen gemeinsamen Anfang und Abschluss der Stunde. Und grundsätzlich gilt: Safety first. Ein Reithelm und festes Schuhwerk sind in der Reittherapie wichtig. Pferde sind Fluchttiere und auch wenn sie in der Regel sehr gut zu Therapiepferden ausgebildet werden, kann es dennoch passieren, dass es mal erschreckt. Darüber sollte jeder gute Reittherapeut seine Klienten informieren.

 

Der Schlüssel zurück ins Leben

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie bereichernd die therapeutische Arbeit mit Pferden ist. Sie blicken in unsere Seelen und nehmen uns so, wie wir sind. Hier dürfen wir ganz wir selbst sein und wieder in uns ankommen.

 

Für mich war und ist die Reittherapie auf allen Ebenen der Schlüssel zur Gesundung. Ich habe in der ganzen Zeit nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern konnte meine zu Stein verhärtete Muskulatur auflockern und Muskeln aufbauen, lernen wieder richtig durchzuatmen, mich meinen Ängsten zu stellen und ihnen kraftvoll entgegen zu treten. Meine eigene Wahrnehmung auf allen Ebenen ist feiner geworden.

 

Als Angstreiterin ist es nicht immer einfach, aber mit einem guten Reittherapie -Team lässt es sich jedes Mal aufs Neue wieder in Freude und Glück umwandeln. 

 

Ich bin dankbar, dass ich 2017 so ein Therapeuten -Team mit Herz gefunden habe. “Taktpferde-Reittherapie “ bestehend aus der Reittherapeutin Mareen Kalverkamp und ihren beiden Pferden Mr. Bink und Melvin hat mir geholfen, meinen Weg zu finden. Alles, was ich bisher gelernt habe und noch lerne, jede Erfahrung am oder auf dem Pferd kann ich mit in meinen Alltag nehmen und dort integrieren. So laufe ich mittlerweile im Viertakt des Pferdes, so dass das Becken mit schwingen kann und die Muskeln positiv bewegt werden.

 

Auch im Umgang mit meiner Pflegestute kann ich hier vieles übertragen. Sich auf dem Pferderücken getragen und geborgen fühlen,  einfach mal loslassen dürfen, aber auch die Führung übernehmen, sich gegenseitig vertrauen und an den Aufgaben wachsen.

 

Vom unterstützenden Klang

 

In der Reittherapie lernte ich auch ein Hilfsmittel kennen, dass nicht nur für Angstreiter eine sinnvolle Unterstützung ist. Das Rhythm Beads ist eine Art Perlenkette mit Schellenglöckchen, die beim Pferd und Reiter das Taktgefühl, die Konzentration und Aufmerksamkeit, die Entspannung und das Rhythmusgefühl fördern. In angstbesetzten Situationen können die sanft klingenden Schellenglöckchen beruhigend wirken - sowohl beim Pferd als auch beim Reiter. Meine Pflegestute trägt ihr eigenes, von mir gestaltetes Rhythm Beads nicht nur beim Reiten, sondern auch in der Bodenarbeit und beim Spazieren.

 

Um die positive Wirkung der Schellenglöckchen auch im Alltag zu nutzen, entwickelte ich den “Feelstab”. Dieser ist eine Art Schlüsselanhänger, der Angst- und Traumapatienten im Alltag ein Begleiter sein kann, um im Hier und Jetzt zu bleiben. Dies wird einmal akustisch über den Schellenglöckchenklang gefördert, vom Taktilen  her über spezielle Perlen und Federn.

 

Diese Hilfsmittel sowie weiteres Pferdezubehör wie Memorykarten, Halfter- und Mähnenclips biete ich unter Horsewhisperib zum Tausch gegen anderes Pferdezubehör, Selbstgestaltetes aus anderen Kreativbereichen, Bücher, Kleidung usw. an. Die Idee dazu entstand dadurch, dass diese Sachen oft einen hohen Preis haben, den sich nicht jeder leisten kann. Wer kreativ begabt ist, kann so etwas von sich zum Tausch anbieten.

 

Die Kombi macht´s

 

So bietet die Reittherapie in Kombination mit dem Rhythm Beads und dem Umgang meiner Pflegestute für mich die besten Voraussetzungen für ein gesünderes, positives Alltagserleben trotz meiner Handicaps.

 

Für Andere besteht die Kombination vielleicht zusätzlich aus Physiotherapie, Beratung oder Psychotherapie, aus anderen Sportaktivitäten, Ergotherapie oder Entspannungstechniken. Die Möglichkeiten sind vielfältig und machen die Reittherapie zu etwas Besonderem.

 

Der Umgang mit Pferden ist mehr als eine Bereicherung des Lebens. Es ist Leben pur!

Es ist die Begegnung zweier Lebewesen, die miteinander wachsen und sich unterstützen können.

 

Alles Liebe,

Inga

 

 

Weitere Einblicke in die Welt in die Welt der Reittherapie und dem Leben mit Pferd, Informationen und Tauschmöglichkeiten der Rhythm Beads & Co. findet Ihr hier:

 

Erfahrungen aus der eigenen Reittherapie und Umgang mit Pferden auf meiner Instagramseite

www.instagram.com/sternschnuppenklicks

 

Informationen zu Rhythm Beads und Feelstab, Informationen rund ums Pferd und Erfahrungen auf meinem zweiten instagram Account https://www.instagram.com/horsewhisper_ib/

 oder unter www.facebook.com/horsewhisperib

 

Es gibt auf der Facebookseite auch eine Tauschgruppe Horsewhisperib's Kreativlounge

https://m.facebook.com/groups/1516308465140213/?ref=bookmarks

 

Bei Fragen zum Thema Reittherapie oder Umgang mit Pferden und bei Interesse an den Hilfsmitteln horsewhisperib@gmail.com

 

Austausch und Unterstützung für Angstreiter und Angst im Umgang mit Pferden

https://m.facebook.com/groups/106148719964555?ref=bookmarks

 

Reittherapie in Nordhorn

Taktpferde -Reittherapie

Mareen Kalverkamp
www.taktpferde.de
info@taktpferde.de

Inga Bleumer ist staatlich anerkannte Erzieherin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat Anfang des Jahres die Community Horsewhisperib ins Leben gerufen. Hier gibt es Informationen und Erfahrungswerte rund um den fairen, artgerechten Umgang mit Pferden. Hier gibt es auch die Tauschgruppe. Zudem ist sie eine der Administratoren der Facebookgruppe “Reiten mit Angst”, in der Betroffene Raum zum Austausch haben.

 

Als Angstreiterin und Betroffene mit eigenen Handicaps und Schicksalsschlägen ist es ihr eine Herzensangelegenheit, Mittel und Wege aufzuzeigen, trotzdem den Blick für das Positive zu offen zu halten und Krisen zu überstehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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