Tag 14 Das süße Nichtstun


Sonntag ist ein hervorragender Tag für diese Trainingseinheit: Das Nichtstun. Ruhe und Erholung sind essentiell für jedes Lebewesen und jeden Trainingserfolg. Wie sich im Winter die Natur zurückzieht um im Frühjahr umso schöner wieder zu erscheinen, genauso brauchen wir trainingsfreie Tage und bewusste Ruhe, um unsere Ziele zu erreichen.

Mit dem Training setzen wir Reize für den Körper, die Regeneration des Körpers und die Entwicklung erfolgt in Zeiten der Ruhe. Die einfachste und zugleich effektivste Methode dazu ist ausreichend guter Schlaf in der Nacht. Nicht nur unsere Muskeln, auch die inneren Organe wie das Verdauungssystem brauchen diese Phasen, um gut arbeiten zu können. Wir alle sind biologischen, zeitgebundenen Rhythmen untergeordnet. Dieses Phänomen nennt man Chronobiologie, von griechisch chronos für Zeit.

Was bedeutet für uns Ruhe und Entspannung? Viele Gewohnheiten, die wir uns als "Entspannung" angewöhnt haben, entspannen unseren Körper und Geist nicht. Zum Beispiel bei langem TV gucken oder Surfen im Internet relaxen wir nur scheinbar. Eigentlich werden wir die ganze Zeit weiter stimuliert.

Und wie ist es bei unserer Pferden? Was bedeutet für sie Ruhe? Zum Beispiel ein reiterfreier Tag unter Artgenossen auf der Koppel oder dem Paddock. Als Lauftier findet das Pferd nur bedingt Ruhe in der Box.

Viele Pferde, die ausschließlich in der Box gehalten werden, zeigen kein arttypisches Ruhe- und Schlafverhalten. Wissenschaftliche Studien haben zudem gezeigt, dass Pferde sich in der Box vermehrt seitwärts und rückwärts bewegen. Für das Pferd, dessen Bewegungsapparat auf die Vorwärtsbewegung ausgerichtet ist, eine zusätzliche Belastung des Bewegungsapparates.

Den Großteil ihrer Ruhepausen verbringen Pferde im Stehen. EEG-Messungen und Messungen des Muskeltonus von Ruckebusch und Dallaire aus den siebziger Jahren zeigten, dass Pferde um richtig zu schlafen, sich in Bauch- oder Seitenlage begeben müssen. Hier findet die Regeneration und Erfrischung von Körper und Psyche statt. Um dieses arttypische Verhalten ausleben zu können, benötigen unsere Pferdefreunde den entsprechenden Platz. Pferde legen sich als Fluchttier übrigens nur dort ab, wo sie sich sicher fühlen. Rangniedere Tiere werden eventuell am Ablegen gehindert, das gilt es in einer Herdenkonstellation zu beobachten.

Dazu kommt psychischer Stress durch Einsamkeit oder Frustration wegen des Fütterungsmanagements. Pferde sind seit unglaublichen 25 Millionen Jahren grasfressende Steppenbewohner (genauso lange sind sie gewohnt, im Herdenverband zu leben). Die Nahrung in der Steppe ist energiearm und rohfaserreich. Unserem Hauspferd ist daher das Bedürfnis "einprogrammiert", rund 15 Stunden am Tag zu fressen. Wir empfinden das als verfressen. Das Freßverhalten ist an das Bewegungsverhalten gekoppelt. Die Vorfahren unserer Pferde haben sich zwei Drittel des Tages im langsamen Schritt vorwärts bewegt.

Sehen wir uns also um nach Gelegenheiten zur Ruhe, für uns und unsere Tiere. In der Ruhe liegt wahrhaft die Kraft.

Euch allseits einen schönen Sonntag!

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