Die Perfekte Welle


Zugegeben: das hier ist nicht der alltagstauglichste Fitness-Tipp. Außer Du wohnst in LA oder in der Nähe des Münchner Eisbachs. Doch der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Gib Surfen eine Chance!

Das Wellenreiten trägt bereits im Namen die Verwandtschaft zu dem, was uns interessiert. Die Polynesier ließen sich schon vor rund 4000 Jahren über das Meer gleiten. Und 2020 wird das Surfen in Tokio tatsächlich zur olympischen Disziplin.

Was bringt der Sport für´s Reiten? Neben jeder Menge Spaß (nie verkehrt) und einem unfassbar schönem Naturerlebnis ist es eine wunderbare Methode, Gleichgewicht und Balance pferdeunabhängig zu trainieren. Wie das Pferd unter dem Reiter bewegt sich die Welle mit unvorhersehbarem Eigenleben unter dem Surfbrett. Und unter Dir. Keine Welle gleicht der anderen. Wie beim Reiten ist Einfühlungsvermögen, gutes Timing, Kontrolle über den eigenen Körper und Beweglichkeit gefragt.

Die berühmte Skala der Ausbildung für Pferde wurde 2012 um den Begriff Gleichgewicht erweitert. Das Pferd muss (siehe Graphik der FN, Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1), wenn es das Reitergewicht kennenlernt, seinen Takt und somit sein Gleichgewicht wieder finden. Wie wenn ich ein Kind auf dem Rücken trage und mich vor dem Loslaufen erst sortieren muss, weil da plötzlich Gewicht und Bewegung ist. Ist der Takt gefunden, kann das Reitpferd über die Losgelassenheit in die Anlehnung gehen. Erst dann kann an die weiteren Schritte gedacht werden.

Die Skala der Ausbildung setzt indirekt ein Ideal voraus: den ausgeglichen und ausbalanciert sitzenden Reiter. Der dem Pferd eine perfekte Entwicklung ermöglicht. In der Realität sind wir Reiter oft eher wie das unruhige Kleinkind auf dem Rücken seiner Eltern. Ein beeinträchtigtes Körpergefühl, die Schiefe des eigenen Körpers, Muskelverspannungen oder auch mentale Faktoren wie Angst oder Unsicherheit können die Balance des Reiters stören. Pferd oder Pony müssen das ausgleichen.

Ein wichtiges Element für die Sinneswahrnehmung Gleichgewicht ist die sogenannte Propriozeption. Das meint die Eigenwahrnehmung des Körpers. Wie bewegt sich mein Körper? Wo befinde ich mich räumlich gesehen? Welche Position haben meine einzelnen Körperteile zueinander? Die entsprechenden Sinneszellen, die diese Eindrücke verarbeiten nennt man Propriozeptoren. Man findet sie in Muskeln, in den Sehnen, Gelenken und im Bindegewebe im Bereich der Gelenke. Ohne Propriozeption keine Koordination, wie z.B. bei komplexen Dressurlektionen.

Die Propriozeption schult sich über vielseitige Bewegung. Nicht nur beim Menschen.

Wie abwechslungsreich ein Training auch sein mag, es kann dieses Wunderwerk des Pferdekörpers nie in allen Einzelheiten erreichen. Für eine gut entwickelte Eigenwahrnehmung braucht ein Pferd Freigang. Freie, reiterlose Bewegung. Draußen.

Auf unterschiedlichen Böden. Die Möglichkeit, sich in der ganzen Bandbreite seiner Bewegungen auszuleben. Das ist gut für die Leistungsfähigkeit des Pferdes und sein Wohlbefinden. Ein Pferd mit guter Eigenwahrnehmung zeigt sich trittsicher und in der Regel ausgeglichen. Diese Eigenschaften können auch so manche Verletzung abwenden.

Zurück zum Menschen: Geht surfen! Viel Spaß!

PS: Ist die nächste Welle noch sehr fern, dann geb ich ab an Susanne von Dietze,

„Balance in der Bewegung“

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