Sitzen ist das neue Rauchen

August 21, 2017

Am Frühstückstisch, im Auto, bei der Arbeit, in der Schule, der Abend klingt auf dem Sofa aus: stundenlanges Sitzen. Sitting is the new smoking - Sitzen ist das neue Rauchen. Dieser prägnante Satz ist aus dem anglo-amerikanischen Raum zu uns gelangt. Sitzen ungesund wie Rauchen? Unglaublich aber wahr.

 

Neben bekannten Problemen wie Rückenschmerzen hat das starre Verharren in dieser Position noch weitere Auswirkungen. Forscher aus Australien haben 2013 eine Studie veröffentlicht (*), die herausstellt, dass tägliches Sitzen von vier und mehr Stunden das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck begünstigt. Beweglichkeitseinbußen gibt´s freihaus dazu. 


Und das auch, wenn die Dauersitzer zu anderen Zeiten für viel Bewegung sorgen und auf ihre Ernährung achten. Die britische Zeitung The Telegraph titelte 2015 unter Berufung auf Untersuchungsergebnisse des Medical College of Wisconsin sowie der Loughborough University and Universität of Leicester Sitting disease is killing us - and exercise doesn't help - die Sitzkrankheit tötet uns - und Sport hilft nicht. Diese Erkenntnis kommt unter anderem aus einer Zusammenfassung von Beobachtungen aus 18 Studien mit insgesamt 794.577 Teilnehmern, durchgeführt unter der Leitung Dr. Emma Wilmot von der Diabetes Research Group der University of Leicester (**).

 

Get up - stand up! Zwingt Dich Dein Tagesablauf zu langem Sitzen? Schaffe Ausgleich für Deinen Körper, indem Du das Sitzen durch regelmäßiges Aufstehen oder Umherlaufen unterbrichst. Versuche auch den Hocksitz. Der wirkt sich nicht nur positiv auf Deine Beweglichkeit aus. Der Darm wird beim Sitzen regelrecht abgeklemmt. Schaffe Freiraum für Dein Innenleben, indem

Du in die Knie gehst. Dabei wird auch der untere Teil Deiner Wirbelsäule angenehm gestreckt. Für den Beckenboden ist es auch gut.

 

Was uns der Stuhl, ist dem Pferd die Box. Bettina Schäfer (***) beschreibt in ihrer Doktorarbeit von 2000 unter Verweis auf Melfsen-Jessen (1999) und Kallweit (1998) den Einfluss von Haltungssystemen auf die Leistung. In Gruppenhaltung mit Auslauf wird ein messbarer Trainingseffekt erzielt. Der erzielte Trainingsvorsprung geht bei Boxenhaltung mit einer Stunde Auslauf pro Tag innerhalb von 6 Wochen verloren.

 

Wir wünschen uns von unserem Pferd raumgreifende und geschmeidige Bewegungen, setzen es aber quasi auf den Stuhl. Das Fluchttier Pferd bewegt sich in freier Natur deutlich über zehn Stunden pro Tag. Ein weiterer Negativpunkt: Pferde bewegen auf dem engen Raum in der Box vermehrt seit- und rückwärts. Dies ist eine zusätzliche Belastung für den vorwärtsgerichteten Bewegungsapparat. 

 

Gönn auch Deinem Pferd eine gute Aufwärmphase ohne Sattel und Reiter, bevor Du Dich draufsetzst. Gerade wenn es täglich viele Stunden in der Box steht, muss der Körper auf das Training vorbereitet werden. Mutter Natur hat die Rückenmuskulatur des Pferdes nicht als Trageeinrichtung geschaffen. Ein gutes Warm-up garantiert schönere Bewegungen und mehr Freude beim Reiten. Bei Bodenarbeit z.B. kannst Du so richtig kreativ werden.

 

 

Du brauchst noch mehr Motivation um die Sitz-Sucht hinter Dir zu lassen? Dann mach es wie Schauspieler Jason Statham ("Fast & Furious") oder die US-Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Rudern Erin Cafaro. Lass Dich vom Fitness-Programm von Dr. Kelly Starret inspirieren. Durchbrechen wir die Sitzstarre, dann durchbrechen wir einengende Bewegungsmuster die pferdefreundlichem Reiten im Wege stehen. Freu Dich auf Dein neues Ich!

 

 

*      https://ijbnpa.biomedcentral.com/articles/10.1186/1479-5868-10-20)

**    https://link.springer.com/ article/10.1007/s00125-012-2677-z

*** Schäfer, Bettina: Reaktionen physiologischer Leistungskriterien auf zusätzliches Ausdauertraining           während der reiterlichen Ausbildung von Sportpferden, Göttingen 2000

 

 

 

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